Brasilia wurde 1960 gegründet und hat inzwischen 2,6 Millionen Einwohner. Seit ihrer Gründung ist sie die Hauptstadt Brasiliens, gelegen auf dem zentralen Hochplateau in der Mitte Brasiliens in einer Höhe von 1158 Metern, weitab von anderen großen Städten wie Sao Paulo, Rio, Recife oder Belem. Die Stadt besticht mit spektakulärer Architektur, doch hat sie mit infrastrukturellen Problemen zu kämpfen, da eine schöne Bauweise noch kein wirkliches Leben in die Stadt bringt. Aber die Hauptstadt mausert sich langsam.
Hauptstadt vom Reißbrett
Den Plan, eine neue Hauptstadt für Brasilien zu bauen, fasste man bereits 1891 und im Jahre 1922 fand dann schließlich die Grundsteinlegung statt. Ziel war es ursprünglich, durch eine neue Hauptstadt nahe dem geografischen Zentrum des Landes die Entwicklung der Infrastruktur des Binnenlandes zu fördern. Knapp tausend Kilometer entfernt liegt Rio, nach Belem sind es sogar 1600 Kilometer. Damals war sogar die nächste Eisenbahnstation über hundert Kilometer weit weg und Bauholz und Baustahl mussten über große Entfernungen herbeigeschafft werden. Stadtplaner war Lucio Costa, Architekt Oscar Niemeyer. Die Stadt ist in einem Grundriss angelegt, die ein Kreuz darstellt. Seit 1987 ist Brasilia Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und seit ihrer Gründung wächst die Stadt kontinuierlich. Fachleute erkennen im gesamten Konzept der Hauptstadt sowjetisch-stalinistische Einflüsse und so soll der ehemalige polnische Präsident Lech Walesa bei einem Besuch die Ähnlichkeit zu Warschau festgestellt haben. Dennoch: Niemeyer und Costa schufen eine Stadt mit Gebäuden von großer Leichtigkeit wie die berühmte Kathedrale oder die Schüsseln des Kongresses. Es gibt viele ungewöhnliche Formen, weich geschwungene Linien und so ist Brasilia eine imposante Ausdrucksform der Postmoderne.
Eine Stadt im Aufbruch
Lange Zeit hatte Brasilia ein schlechtes Image. Viele Brasilianer sahen die Stadt eher als eine Art Strafkolonie an. Nach der Gründung hatten sich viele Familien von Regierungsangehörigen geweigert, von Rio de Janeiro nach Brasilia zu ziehen und Politiker mussten mit üppigen Aufwandsentschädigungen und kostenlosen Tickets gelockt werden. Oft herrschte in der Anfangszeit in Brasilia an den Wochenenden gähnende Leere, weil alle, die es sich leisten konnten, in die Zivilisation flüchteten. Nach der Fertigstellung der wichtigsten Gebäude ließen sich viele Arbeiter, die eigentlich nur zum Bau der Stadt herkommen sollten, in der Umgebung Brasilias nieder und so wuchsen die Satellitenstädte um Brasilia herum, während in der Hauptstadt selbst Korruption und Misswirtschaft herrschten. Denn weitab der großen Städte konnten erst die Militärregierung und dann die Zivilregierung schalten und walten, wie sie wollten. Doch die einst so ungeliebte Hauptstadt hat sich in der Tat gemausert. Zwar ist das Leben dort noch immer irgendwie provinziell, doch die Stadt boomt. Im Vergleich zu anderen Städten und Regionen ist das Pro-Kopf-Einkommen sehr hoch, überall gibt es neue, schicke Shopping-Zentren, die ein Beispiel für die wohlhabende Mittelschicht in Brasilia sind. Auch das kulturelle Leben der Stadt kommt langsam in Fahrt, es eröffnen ständig neue Restaurants und Bars mit Live-Musik. Und die Hauptstadt vom Reißbrett hat darüber hinaus auch ihren ursprünglichen Zweck erfüllt und tatsächlich dazu beigetragen, dass das vernachlässigte Binnenland Brasiliens besser erschlossen wurde. Die Bundesstaaten Mato Grosso, Goias und Tocantins haben von Brasilia profitiert. Die riesigen Bundesstaaten waren lange Zeit völlig isoliert, denn die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens spielte sich vornehmlich an den Küsten ab.
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